Neuanfang bei Mannesmann,
Modernisierung und Ausbau 1945 – 1970

Mannesmann – dieser Name steht – wie Krupp, Stinnes oder Thyssen – für die erfolgreiche Geschichte der Industrieregion Rhein/Ruhr. Er steht für Pioniergeist und weltweite Expansion. Er steht aber auch für Düsseldorf und dies obwohl die Anfänge des Konzerns auf zwei Brüder aus Remscheid zurückgehen. Reinhard und Max Mannesmann meldeten 1885 das erste Walzverfahren zur Herstellung nahtloser Stahlrohre zum Patent an, das sogenannte Schrägwalzen. Fünf Jahre später gelang ihnen mit der Erfindung des ergänzenden Pilgerschritt-Walzverfahrens der endgültige technische und wirtschaftliche Durchbruch. Der Grundstein für einen global operierenden Konzern war gelegt.

1893 verlagerte Mannesmann seine Zentralverwaltung nach Düsseldorf. Die Stadt am Rhein war zu dieser Zeit das Zentrum der deutschen Stahlrohrindustrie.

1899 begann die Produktion im Röhrenwerk Düsseldorf-Rath, es sollte bis 1970 das größte und bedeutendste Werk der Mannesmannröhren-Werke bleiben. Mannesmann entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einem international arbeitenden Montankonzern mit Bergbau, Stahl- und Rohrproduktion und einer eigenen Handelsorganisation.

NEUANFANG NACH KRIEGSZERSTÖRUNG UND DEMONTAGE

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Mannesmann-Konzern auf Anordnung der Alliierten zur Reduzierung wirtschaftlicher Macht in drei selbstständige Unternehmen „entflochten“, das heißt aufgeteilt. Parallel wurden die verschiedenen Werke des Konzerns wieder aufgebaut. Das Röhrenwerk in Düsseldorf-Rath produzierte trotz Kriegszerstörungen und teilweiser Demontage der Anlagen durch die Alliierten bereits ab Mitte 1945 wieder Rohre.

WIEDERZUSAMMENSCHLUSS

Mannesmann war das erste deutsche Montanunternehmen, dessen Entflechtung abgeschlossen war und das erste, dem es gelang, die Entflechtung wieder rückgängig zu machen. Die Hohe Behörde der Alliierten billigte den Wiederzusammenschluss am 22. Dezember 1954 unter Führung der Mannesmann AG, die fortan die Konzernspitze bildete.

DIE MANNESMANN AG NACH DEM WIEDERZUSAMMENSCHLUSS 1954

MODERNISIERUNG UND AUSBAU

In den Jahren 1952 bis 1955 gründete Mannesmann Röhrenwerke in Brasilien, Kanada und der Türkei – in Südamerika sogar in Verbindung mit einem eigenen Hochofen- und Stahlwerk. Aber auch die deutschen Standorte wurden modernisiert und ausgebaut. Als Symbol des erfolgreichen Wiederaufbaus galt das Ende 1958 fertiggestellte Mannesmann-Hochhaus in Düsseldorf, das unmittelbar am Rhein neben dem bereits 1912 bezogenen Peter-Behrens-Bau errichtet wurde.

Mannesmannufer mit Mannesmann-Hochhaus, 1958
Mannesmannufer mit Mannesmann-Hochhaus, 1958

ARBEITSTEILUNG MIT THYSSEN

Mannesmann übernahm 1970 von Thyssen die Rohrproduktion und Rohrverlegung und gab im Gegenzug die eigene Walzstahlherstellung und Blechverarbeitung an Thyssen. In Düsseldorf besaßen die Mannesmannröhren-Werke neben dem Werk in Rath nun auch Röhrenwerke in Lierenfeld und Oberbilk sowie eine 50 Prozent-Beteiligung an dem Röhrenwerk in Düsseldorf-Reisholz. Sie wurde 1972 auf 100 Prozent erhöht.

Stopfenstraße im Werk Lierenfeld, 1970
Stopfenstraße im Werk Lierenfeld, 1970